Hakon Jarl

Dílo Bedřicha Smetany

Genese

Am 6. Januar 1860 notierte sich Smetana im Motivenotizbuch zwei Themen. Das zweite Thema, als Hakon Jarl beschriftet, war der Anfang der Skizze zum Smetanas in Folge schon dritten symphonischen Gedicht. Schon am 11. März 1860 schreibt Smetana in einem Brief an Ludevít Procházka: "...es beschäftigt mich eine gro3e symphonische Arbeit: Hakon Jarl für Orchester". Die Partitur hat er jedoch erst am 24. März 1861 in Göteborg vollendet, fast schon zum Schluss seines fünfjährigen schwedischen Aufenthaltes. Hana Séquardtová konstatiert mit absichtlicher Unbestimmtheit: "Die lange Arbeit an Hakon spiegelte wahrscheinlich mehr als Schaffungsprobleme eher ein Stück der Lebensgeschichte des Komponisten wider." Očadlík ist nicht mehr konkret: "...nach der Rückkehr nach Schweden mit seiner zweiten Ehefrau war Smetana eine lange Zeit mit gesellschaftlichen Verpflichtungen beschäftigt". Es ist aber auch möglich, dass die eigene Zeit, die er der Komposition gewidmet hat, nicht viel länger war als bei den vorangehenden Werken. Smetana selbst erwähnt, dieses Thema aus Dankbarkeit zu den skandinavischen Ländern gewählt zu haben, die ihn freundlich aufgenommen und existentiell versorgt haben, als Beweis von seinen Sympathien der nordischen Gedankenwelt gegenüber. Kurz nach der Vollendung seines Werkes machte Smetana Konzerttournee in Stockholm und Norköping. Wie sich aus den Briefen ergibt, die er an seine Frau Bettina nach Göteborg schrieb, hatte er die Absicht, dieses symphonische Gedicht dem schwedischen König zu widmen. Aber schon am 24. April schreibt er wieder an Bettina: "...ich widme meinen Hakon Jarl dem schwedischen König nicht, sondern ich lasse es mir für eine bessere Gelegenheit". Die Änderung seiner Absichte verursachte wahrscheinlich die nicht zu innige Aufnahme des Spieles von Adam Gottlob Oehlenschlager und der Musik von Smetana. Smetana hat die Tragödie des dänischen Dichters auf der Bühne des Theaters in Göteborg gesehen, vielleicht auch mehrmals. Man kann deduzieren, dass gerade diese konkrete Theatererfahrung zu einer mehr ausdrucksvollen, mehr dramatischen Profilierung des Werkes und dessen szenischer Bilder beitrug, im Vergleich mit den vorangehenden zwei symphonischen Gedichten. Der Inhalt des Werkes, der im Programm des Konzerts im Saal auf Žofín abgedruckt wurde, wo Smetana am 24. Februar 1864 sein Werk zum ersten Mal aufführte, stammt nicht von Smetana, während seine eigene Erklärung, wie er sie viel später, am 7. Mai 1883, in einem Brief an Adolf Čech interpretierte, sich sehr von der ersten unterscheidet. Das war anlässlich der zweiten, und während Smetanas Leben auch letzten Aufführung im Journalistenverein. Die Peripetie des Oehlenschlagers Drama braucht man hier nicht detailiert zu folgen; um zu verstehen, wodurch Smetana inspiriert war - und es war zweifellos durch das Thema an sich als durch seine Verarbeitung - reicht es völlig, wenn wir den Inhalt in groben Zügen andeuten: Hakon Jarl ist Herrscher in einem grö3eren Teil Norwegens und bewacht seine Macht eifersüchtig. Das Volk leidet unter seiner Gewaltherrschaft, der Widerstand gegen den Tyrannen wächst. Olaf Trygvason, irischer König, wird aufgefordert, den Hakon zu stürzen, was er am Anfang ablehnt, die Situation spitzt sich jedoch immer zu, der Widerstand nimmt zu und wird zum siegreichen Ende gebracht. Hakon stirbt als letzter Römer durch das Schwert eines seiner Kämpfers. In ihm stirbt der letzte Heide, ein Barbar, und durch die Proklamation von Olaf zum norwegischen König bekommt das Land nicht nur die Freiheit, sondern auch das Christentum.

Charakteristik des Werkes

Die tragische Figur von Hakon Jarl fesselte Smetana, genauso wie sein Kampf mit den Widerstandskräften, also wieder das Shakespears Motiv, schon früher genutzt als Motiv des Kampfes gegen Unterdrückung und Gewalt. Diesmal leugnet der Schöpfer eine gewisse Bewunderung der Tapferkeit des Helden nicht. Die Hauptthemen sind eigentlich nur zwei: grobes, aber auch heldenhaftes Thema von Hakon, das in offensiver Steigerung als Marsch-Intonation zum ersten Mal in Des-Dur erklingt und durch das ganze Gedicht mit seiner unerbittlichen, barbarischen Kraft vorgeht. Dagegen steht das ausdrucksvolle, ausgedehnte, gespaltene Thema, in dem sich die Sehnsucht der Untertanen nach Befreiung widerspiegelt. Dieses erstaunliche Thema symphonischen Formats ist geschickt in eine ungewöhnliche Breite und Ausdruckswirksamkeit entwickelt wie ein von den gro3artigsten Themen, die man bei Smetana überhaupt finden kann. Die Lösung der Sonatenform ist hier noch freier als bei Richard III. Die Hauptmomente sind das einleitende melancholisch trübselige Motiv von Hölzer, gefolgt von unauffällig leiser gemachter Choraltonnfall, und auch die Episode-Fläche, die zwischen die Exposition beider Themen eingelegt ist und die mit einer Harfe-Kadenz und rezitativer Bassklarinettemelodie exponiert. Das Werk gipfelt in der Reprise mit einer Schlusskatharsis des Choralgesanges in Andante religioso und in der Rückkehr des Themas Sehnsucht nach der Freiheit, das dem Werk einen riesenhaften dramatischen Rahmen gibt.

Grundinformation

Titel:
Hakon Jarl
Auf dem Autograph steht: Hakon Jarl für großes Orchester von Friedrich Smetana op. 16.
Untertitel:
Symphonisches Gedicht für Orchester
Titel im Autograph:
Hakon Jarl
Klassifikation nach dem Katalog von J. Berkovec:
1.79
Titel nach dem Katalog von J. Berkovec:
Hakon Jarl
Teile/Themen:
1. Andante energico, non troppo lento
Opusnummer:
Op. 16
Anmerkung:
SSD 1875: "Hakon Jarl. Sinf. Báseň… 1864. provedená téhož roku v koncertě Akad.. spolku na Žofině; (je v c moll.)"
["Hakon Jarl. Symphonische Dichtung...1864. In demselben Jahr im Konzert des Akademischen Vereins auf Žofín aufgeführt; (sie ist in C-Moll.)" ]

Besetzung

Instrumentalbesetzung:
2+pic., 2,2 + clb, 2 - 4,2,3,1 - timp., trg,grt,pti - arp - archi

Weitere Informationen

Hakon Jarl

Entstehungsort:
Göteborg
Beginn der Komposition:
06. 01. 1860
Fertigstellung der Komposition:
24. 03. 1861
Premierendatum:
24. 02. 1864
Premierenort:
Prag, Žofín
Dirigent/Chorleiter:
Ensemble:
Orchester des Königlichen tschechischen Landesdtheaters

1. Ausgabe

Editionstyp:
Partitur
Verleger:
Erscheinungsort:
Berlin
Werktitel:
Hakon Jarl. Symphonische Dichtung für grosses Orchester von Friedrich Smetana.
Editionsnummer:
10618
Jahr:
1896
Anmerkung:
Partitura, orchestrální party
[Partitur, orchestrale Parten]
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig
]

Kritische Edition

Erscheinungsort:
Prag
Werktitel:
HAKON JARL
Teil eines Ganzen:
Studijní vydání děl Bedřicha Smetany, sv. 4, s. 163–237 [Studienausgabe der Werke von Bedřich Smetana, Bd. 4, S. 163-237]
Name der Edition:
SVDBS IV [Studienausgabe der Werke von Bedřich Smetana IV ]
Jahr:
1942

Hakon Jarl. Klavierversion zu 4 Händen

Anmerkung zu Datum und Ort der Entstehung:
Upravil J. Klička?
[Von J. Klička bearbeitet?]

Klavierversion zu 4 Händen

Editionstyp:
Klavierauszug
Verleger:
Erscheinungsort:
Berlin
Name der Edition:
Symphonische Dichtungen von Friedrich Smetana. Clavierauszug zu vier Händen. No. 3
Jahr:
1896
Anmerkung:
Ve stejném roce vyšla u N. Simrocka i partitura a orchestrální party.
[In demselben Jahr erschien bei N. Simrock auch die Partitur und orchestrale Parten.]
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig