Macbeth und die Hexen

Dílo Bedřicha Smetany

Genese

Smetana führt in seinem Verzeichnis der Kompositionen aus dem Jahre 1875 das Jahr 1859 als Jahr der Entstehung von Macbeth an, nach Richard III. schon zweiter Komposition auf Shakespears Thema. Genauere Datierung ist wegen Mangels an biografische Quelle schwierig, es ist jedoch wahrscheinlich, dass an diesem Klaviergedicht, wie es heute genannt wird, Smetana in den ersten Monaten des Jahres 1859 arbeitete. Falls es um die Bestimmung des Genres von dieser Skizze geht, vermutete früher eine ganze Reihe von Forschern, dass Macbeth nur eine Vorstufe zu einer Orchesterkomposition darstellt. Aufgrund der Ansicht von Otakar Zich bearbeitete Otakar Jeremiáš den Macbeth für symphonisches Orchester (1931), neulich kam dann Jarmil Burghauser (1981) sogar mit einer Konzertversion für Klavier und Orchester. Dagegen zeugen jedoch untrügliche klavierstylisierende Merkmale - häufige schnelle Passagepartien, gedrängter Akkordensatz, und letztendlich auch Smetanas Bemerkung im Verzeichnis, wo er den Macbeth als Klavierwerk bezeichnet. Angriffslustige und energische Klavierdiktion hat einen ausdrücklich virtuosen Charakter, trägt deutliche Spuren von bravurer Liszt-Bearbeitung (logisch: gerade in Smetanas schwedischem Zeitabschnitt, 1856-1861, gipfelt in seiner Schaffung der Einfluss von Franz Liszt, zu dem sich Smetana öffentlich bekannte und den er ein paar Mal in Weimar besuchte, zum letzten Mal unmittelbar vor Ankunft nach Göteborg) und verleiht dem Werk, vor allem durch die rei3enden Passagepartien, die wieder und wieder zurückkehren, einen besonders flüchtigen bis chaotischen Charakter, der den Eindruck eines Programmvorhabens hervorrufen kann, aber auch einer deutlichen Fragmentierung und Unfertigkeit. Dass es sich um einen unvollendeten, besser gesagt verlassenen Arbeitsentwurf handelt, darüber zeugt übrigens schon der Fakt, dass das Autograph mit einem Bleistift geschrieben ist, an einigen Stellen nur flüchtig entworfen, was bei Smetana ein untrügliches Zeichen von einer Arbeitsskizze ist. Trotzdem wird, im Gegenteil zum Cid, was sein erster Versuch war, dem Klavier zur Gestaltung ein nicht-musikalisches Sujet anzuvertrauen, Macbeth gespielt, denn er ermöglicht eigentlich die Aufführung, er ist anscheinend bis zum Ende gebracht und durch vier definitiv wirkende Schlussakkorde beendet, während Cid - Ximene in der Mitte aufhört. Macbeth wurde von Smetana auch mehr geschätzt, denn er führte ihn in der Revision seiner Kompositionen am Ende seines Lebens an, während er den Cid nirgendwo erwähnt. Es ist wirklich unbestritten, dass Macbeth höher steht, was die Entwicklung angeht, und dass er trotz aller skizzenartigen Formen einen höchst beachtenswerten Versuch vorstellt, eine Programmkomposition zu schaffen, was in seiner Zeit ein nicht zu viel verbreitetes Genre war. Wir können nur raten, warum Smetana diesem schlagkräftigen Werk keine definitive Form gab. Und weiter, warum er die Richtung, die hier so vielversprechend angetreten war, weiter nicht entwickelte. Es wurde aufgeworfen (Očadlík, Séquardtová), dass Smetana darauf aus Angst vor Empfang verzichtete. Wurde dieses Werk wirklich zu tapfer angelegt, sodass es das konservative Publikum nicht begreifen und verdauen konnte? Das konnte vielleicht für das Publikum in Göteborg in Frage kommen, und sicher auch für das Prager Publikum, aber das Publikum in Deutschland war viel reifer. Ist es nicht wahrscheinlicher, dass dem Macbeth selbst Smetana nicht glaubte? Er hat doch nicht nur den Macbeth verworfen, sondern auch die ganze durch ihn angetretene Richtung. Göteborg und sein Milieu inspirierte den Smetana zu tapferen Eroberungen auf dem Gebiet des symphonischen Gedichtes auf Liszt-Art, diese neue Richtung - und hierher gehört auch Macbeth - verwandelte sich jedoch nach der Rückkehr nach Böhmen in eine Sackgasse, in eine Richtung, die sich nicht weiter etwickeln konnte, denn Smetana widmete sich weiter ausschlie3lich nur der gro3en und andauernden Bemühung, die neue Nationalmusik aufzubauen. Schwedische Eroberungen wurden vergessen.

Charakteristik des Werkes

Smetana hat keine ausführliche Beschreibung seiner Programmvorstellung hinterlassen, nichts darüber, was ihn konkret aus dem Shakespears Drama inspirierte. In der Untertitel steht nur: Macbeth - Skizze zur Szene aus Shakespears (Mehrzahl!) Macbeth und die Hexen. Infolgedessen ist es möglich, in der Smetana-Literatur ein buntes Spektrum von verschiedensten gegensätzlichen Deutungen (Nejedlý, Zich, Očadlík) zu finden, die bemüht sind, die Musikformen mit ganz konkreten Szenen aus dem Drama zu verbinden. Wir beschränken uns also deshalb nur auf die Musikbeschreibung der Struktur des Werkes. Üppige Chromatik, brutale Bruchakkorde, scharfe Harmonie, die timbre-bunten Kontraste zeichnet, besonders in den schnellen, ungeleiteten Chromatikpassagen, die die Farbe an sich darstellen, häufige Anwendung des von Smetana so beliebten vergrö3eten Kvintakordes, aber auch die Volltonleiter, monumental traktierter Klavierklang mit der Bemühung, den ganzen Tonraum erklingen zu lassen, und vor allem die gesamte formale Freiheit, die über den zweiteiligen Grundriss des Werkes herrscht - das alles trägt zu einem ungewöhlichen Höreindruck bei, für den wir keine Parallele in Smetanas Schaffung bevor, leider auch nicht nachher finden. Eine relativ sichere Vermutung scheint zu sein, dass sich Smetana vor allem durch die Fantasie-Szenen des Treffens Macbeths mit den Hexen inspirieren lie3, die als ein wilder, orgiastischer Reigentanz aufgenommen sind, bei Smetana natürlich mit einem unverwechselbaren Polkagrund. Während über den ersten Teil die Chromatik herrscht, extreme formale Freiheit von fast improvisationischer Natur, ist derzweite Teil schon mehr diatonisch angelegt, durch die Fanfare-Melodik und Marsch-Charakteristiken beherrscht. Ziemlich umfangreiche Komposition (328 Takte) nutzt im ersten Teil das Prinzip von Rondo-Rückkehr der Hauptidee der syrrhytmischen Akkorde aus, während der zweite Teil wie ein kompletter Block durch die siegreiche Kraft von Macbeths Gegnern wirkt.

Grundinformation

Titel:
Macbeth und die Hexen
Auf dem Autograph steht: Macbeth Skizza k scéně Shakespearových Macbeth a čarodějnice
[Macbeth, Skizze zur Szene von Shakespear´s Macbeth und die Hexen]
Untertitel:
Skizze zur Szene von Sheakespear´s Macbeth und die Hexen
Titel im Autograph:
Macbeth
Untertitel im Autograph:
Skizza k scéně Shapespearových: Macbeth a čarodejnice.
Klassifikation nach dem Katalog von J. Berkovec:
1.75
Titel nach dem Katalog von J. Berkovec:
Macbeth und die Hexen
Anmerkung:
SSD 1875: "Scena z Makbetha pro klavír, manuskr. 1859." Bartoš: Macbeth/Macbeth a čarodějnice ["Szene aus Macbeth für Klavier, Manuskript 1859." Macbeth/ Macbeth und die Hexen]

Besetzung

Instrumentalbesetzung:
Piano zu zwei Händen

Weitere Informationen

Macbeth und die Hexen: ursprüngliche Version

Entstehungsort:
Göteborg
Fertigstellung der Komposition:
1859
Anmerkung zu Datum und Ort der Entstehung:
Skladba vznikla pravděpodobně v první polovině roku 1859. Existuje pouze ve formě skici tužkou, NM-MBS inv. č. S 217/1366.
[Die Komposition entstand wahrscheinlich in der ersten Hälfte des Jahres 1859. Sie existiert nur in der Form von einer Stift-Skizze, NM-MBS Inventarnummer S 217/1366.]
Premierendatum:
19. 12. 1911
Premierenort:
Prag, Nationalhaus Smíchov
Interpret/Solist:
Anmerkung zur Premiere:
Jedná se o první provedení, které známe. Skutečně první provedení je nedochované.
[Es handelt sich um die erste Aufführung, die wir kennen. Die wirklich erste Aufführung hat sich nicht erhalten.]

1. Ausgabe der Noten

Erscheinungsort:
Prag
Teil eines Ganzen:
Z pozůstalých skladeb Bedřicha Smetany, 13. sv., s. 38-43 [Aus den hinterbliebenen Kompositionen von bedřich Smetana, Bd. 13, S]
Jahr:
1912

Kritische Edition

Erscheinungsort:
Prag
Werktitel:
MACBETH Skizza ke scéně „Macbeth a čarodějnice“ ze Shakespeara [MACBETH Skizze zur Szene "Macbeth und die Hexen" von Shakespeare
Teil eines Ganzen:
Klavírní dílo Bedřicha Smetany, 5 svazků [Klavierwerke von Bedřich Smetana V, 5 Bände]
Name der Edition:
KDBS V (Skladby virtuosní) [Klavierwerke von Bedřich Smetana V (Virtuose Kompositionen)]
Jahr:
1973
Anmerkung:
Zařazeno do kategorie: SKLADBY ZE ŠVÉDSKÉHO OBDOBÍ, s. 52-66.
[Eingereiht in die Kategorie: KOMPOSITIONEN AUS DEM SCHWEDISCHEN ZEITABSCHNITT, S. 52-66.]

Macbeth und die Hexen: orchestrale Bearbeitung

Fertigstellung der Komposition:
1934
Anmerkung zu Datum und Ort der Entstehung:
Autor úpravy: O. Jeremiáš
[Autor der Bearbeitung: O. Jeremiáš]

Orchesterbearbeitung

Editionstyp:
Partitur
Verleger:
Autor der Bearbeitung:
Erscheinungsort:
Prag
Werktitel:
Scéna z Macbetha [Szene aus Macbeth]
Editionsnummer:
R 052
Jahr:
2004

Macbeth und die Hexen: Bearbeitung für Orchester und Klavier

Anmerkung zu Datum und Ort der Entstehung:
Úprava vznikla pravděpodobně k provedení díla v období 1973-1974 na podnět klavíristy Ludvíka Kundery s cílem vytvořit koncertantní skladbu pro klavír a orchestr.
[Die Bearbeitung entstand wahrscheinlich anlä3lich der Aufführung des Werkes im Zeitabschnitt 1973-1974 an Anregung des Pianisten Ludvík Kundera mit dem Ziel, eine Konzert-Komposition für Klavier und Orchester zu schaffen. ]
Premierendatum:
12. 02. 1974
Premierenort:
Gottwaldov (heute Zlín)
Interpret/Solist:
Dirigent/Chorleiter:

1. Ausgabe

Editionstyp:
Partitur
Autor der Bearbeitung:
Erscheinungsort:
Prag
Werktitel:
MACBETH A ČARODEJNICE, symfonický obraz pro klavír a orchestr [MACBETH UND DIE hEXEN, symphonisches Bild für Klavier und Orchest
Jahr:
1981
Anmerkung:
Klavírní part revidoval Radoslav Kvapil.
[Den Klavierpart revidierte Radoslav Kvapil.]