Richard III.
Dílo Bedřicha Smetany
Genese
Als im Jahre 1855 Matice česká die Herausgabe des gesamten Shakespears Werkes aufgenommen hat, war der erste Band dieser gro3artigen Tat Richard III., Tragödie des Bösewichtes auf dem englischen Thron. Erste Spuren des Interesses für dieses Thema finden wir bei Smetana noch vor der Komposition der Triumphalen Symphonie. Als Smetana im Jahre 1857 den Grundriss dieser Komposition konkreter durchdachte, griff er nach der umfangreichsten Skizze aus dem Anfang der 50. Jahre, als Sinfonie beschriftet, und benutzte sie als Hauptthema, das schon in der Introduktion erscheint (Očadlík). Es kam dazu wahrscheinlich unter dem Einfluss des Besuches von Franz Liszt in Altenburg, in seinem Weimarer Sitz, wo Smetana am 3. - 7. September 1857 weilte, als er hier seine zweite Reise nach Göteborg unterbrach. Während dieses Besuches, der in Smetana tiefe Eindrücke hinterlie3, konnte er sich mit künstlerischen Hauptzielen des Künstlers vertraut machen, den er schon lange bewunderte, spätestens seit dem Jahre 1848, wo er den Liszt zum ersten Mal traf. Vor allem auf dem Gebiet, wo gro3artige neuromantische Eroberungen verwirklicht wurden, also auf dem Gebiet des symphonischen Gedichtes. Smetana war durch die Vorstellung hingerissen, der Musik so eine erhabene Aufgabe verhängen zu können, durch ihre Mittel, tonmalerische und andere, eine au3ermusikalische Idee zu schildern, ein literarisches Programm. Die Auswahl von Shakespear war in diesem Kontext also ganz logisch. Im Brief an Liszt vom 24. Oktober 1858 schreibt er: "Halten Sie mich für einen von den eifrigsten Anhängern unserer Kunstrichtung, für deren heilige Wahrheit ich mich mit Wort und Tat einsetzen und arbeiten will." Und weiter in dem selben Brief: "Soweit es um Richard geht, erlaube ich mir nicht das Urteil früher auszudrücken, bis Sie selbst es nicht sagen. Ich habe ihn mit Lust und Liebe geschrieben und unter Anspannung aller Kräfte; nun kann ich nichts mehr schaffen, als was in ihm schon ist. Er hat einen Satz und klammert sich mit seinem Charakter an den Inhalt der Tragödie: Erreichen des festgelegten Ziels nach Überwinden aller Hürden, Triumph und endlich Fall des Helden." Die Partitur des Richard III. vollendete Smetana ein Jahr später, am 17. Juli 1858, im Seekurort Säro unweit von Göteborg, wo er sich im Sommer mit seiner Familie erholte. Nach dem Klavier-Cid stellt Richard III. die erste Smetanas Komposition nach einer dramatischen Vorlage. Richard III. wurde zum ersten Mal unter dem Taktstock von Smetana erst nach seiner Rückkehr aus Schweden aufgeführt, am 5. Januar 1862 auf Žofín in Prag. Smetana wollte sich dem Prager Publikum als ein moderner Autor vorstellen, der ambitioniert die modernen Trends nachfolgt, die Aufführung des Werkes begegnete jedoch totalem Unverständnis. Der Weg, den Smetana mit Richard angetreten hat, war sichtlich für das Ohr des Prager Publikums, das noch nicht an die modernsten Eroberungen gewohnt war, zu anspruchsvoll.Charakteristik des Werkes
Soweit es sich um die ganze Konzeption handelt, die Beziehung zum Subjekt hat einen allgemeinen Charakter, Smetana bemüht sich nicht um die beschreibende Schilderung der tragischen Geschichte, er konzentriert sich eher auf den Grundkonflikt zwischen Richard und seinen Gegnern. Man erreichte hier eine sehenswürdige thematische Kompaktheit - wenn auch durch den Weg einer rationalen Konstruktion - nämlich einer innerlichen Kohärenz beider Themen, die kaum zu hören ist: Richard-Thema ist die Umkehrung des Themas seiner Gegner. Das bekommt zum Schluss eine monumental wirkende Augmentation, die das Werk rahmt. Als ob hier der Schöpfer sein Urteil über den Tyrannen ausgesprochen hätte. In dieser Ideenkohärenz liegt auch der wichtige Moment der abstrahierenden Distanz, der ein Beweis von konstruktivischem Genie Smetanas ist. Der Grundriss der Sonatenform ist jedoch erheblich frei, von der Programmvorstellung abgeleitet. In der Aufführung taucht auch eine episodische Idee auf, die den Richards Traum vor der Schlacht bei Bosworth sugestiv schildert. Mit dem symphonischen Gedicht Richard III. trat Smetana den Weg der zeitgenössischen Moderne auf. Der Ausdruck ist völlig neu. Zum ersten Mal hören wir bei Smetana diese reizenden, leidenschaftlichen Klänge, die Härte und beharrliche Majestät des mörderischen Monsters, auch die zärtliche Kantilene, die wir mit Lady Anna und der Seite des Widerstandes verbinden. Genauso neu ist auch die formale Lösung, die nach Liszts Vorbild Smetana in weiteren zwei symphonischen Gedichten aus dem Göteborg-Zeitabschnitt weiter kultivieren und entwickeln wird.Grundinformation
Titel:
Richard III.
Auf dem Autograph steht: B. Smetana Richard III. Partitur.
Untertitel:
Symphonisches Gedicht zum Shakespears Richard III. für gro3es Orchester
Titel im Autograph:
Zu Shakespeare's Richard III.
Untertitel im Autograph:
für grosses Orchester von Friedrich Smetana op. 11
Klassifikation nach dem Katalog von J. Berkovec:
1.70
Titel nach dem Katalog von J. Berkovec:
Richard III.
Teile/Themen:
Maestoso, quasi Andante
Opusnummer:
Op. 11
Anmerkung:
SSD 1875: "Richard III., dle Shakespeara. Sinfonická báseň v jedný větě, a moll 1858 komp. v Goethenburgu ve Švédsku. Provozovaná v Praze několikráte, ponejprv v roce 1862 dne 5. ledna, na Žofíně v mým koncertě před prázdným skoro sálem."
["Richard III., nach Shakespeare. Symphonische Dichtung in einem Satz, a-Moll 1858 komponiert in Goethenburg in Schweden. In Prag mehrmals aufgeführt, zum ersten Mal im Jahre 1862 am 5. Januar, auf Žofín anlä3lich meines Konzertes vor fast leerem Saal."]
["Richard III., nach Shakespeare. Symphonische Dichtung in einem Satz, a-Moll 1858 komponiert in Goethenburg in Schweden. In Prag mehrmals aufgeführt, zum ersten Mal im Jahre 1862 am 5. Januar, auf Žofín anlä3lich meines Konzertes vor fast leerem Saal."]
Besetzung
Instrumentalbesetzung:
2+pic.,2,2,2 - 4,2,3,1, - timp.,trg, pti, grt - archi
Weitere Informationen
Richard III.: Orchestrale Fassung
Entstehungsort:
Göteborg, Särö
Beginn der Komposition:
04/1858
Fertigstellung der Komposition:
17. 07. 1858
Premierendatum:
05. 01. 1862
Premierenort:
Prag, Žofín
Dirigent/Chorleiter:
Ensemble:
Orchester des Königlichen deutschen Landestheaters
Anmerkung zur Premiere:
Jedná se o první provedení orchestrální úpravy. Skutečně první provedení této kompozice proběhlo již 24. 4. 1860 a to v klavírní verzi pro čtyři ruce.
[Es handelt sich um die erste Aufführung der orchestralen Bearbeitung. Die wirklich erste Aufführung dieser Komposition verlief schon am 24.4.1860, und zwar in der Klavierversion zu vier Händen.]
[Es handelt sich um die erste Aufführung der orchestralen Bearbeitung. Die wirklich erste Aufführung dieser Komposition verlief schon am 24.4.1860, und zwar in der Klavierversion zu vier Händen.]
1. Ausgabe der Noten
Editionstyp:
Partitur
Verleger:
Erscheinungsort:
Berlin
Werktitel:
Richard III. Symphonische Dichtung für grosses Orchester von Friedrich Smetana.
Editionsnummer:
10598
Jahr:
1896
Anmerkung:
Partitura a orchestrální party
[Partitur und Orchesterparte]
[Partitur und Orchesterparte]
Kritische Edition
Verleger:
Erscheinungsort:
Prag
Werktitel:
RICHARD III.
Teil eines Ganzen:
Studijní vydání děl Bedřicha Smetany, sv. 4 (ve svazku i symfonické básně Valdštýnův tábor a Hakon Jarl). [Studienausgabe der We
Name der Edition:
SVDBS IV [Studienausgabe der Werke von Bedřich Smetana IV]
Jahr:
1942
Anmerkung:
S. 71-161
Richard III.: Klavierversion zu vier Händen (16 Hände)
Entstehungsort:
Göteborg, Särö
Fertigstellung der Komposition:
1859
Anmerkung zu Datum und Ort der Entstehung:
Úprava pro 4 klavíry:
24. 4. 1860, Göteborg, veřejná zkouška žáků Bedřicha Smetany.
4. 8. 1860, Praha, závěrečná zkouška žáků J. Proksche
[Bearbeitung für vier Klaviere:
24.4.1860, Göteborg, öffentliche Probe der Schüler von Bedřich Smetana;
4.8.1860, Prag, Schlussprobe der Schüler von J. Proksch]
24. 4. 1860, Göteborg, veřejná zkouška žáků Bedřicha Smetany.
4. 8. 1860, Praha, závěrečná zkouška žáků J. Proksche
[Bearbeitung für vier Klaviere:
24.4.1860, Göteborg, öffentliche Probe der Schüler von Bedřich Smetana;
4.8.1860, Prag, Schlussprobe der Schüler von J. Proksch]
Premierendatum:
24. 04. 1860
Premierenort:
Göteborg
Veranstaltung:
Öffentliche Probe der Schüler von Bedřich Smetana
Anmerkung:
Autor klavírní verze: Bedřich Smetana
[Autor der Klavierversion: Bedřich Smetana]
[Autor der Klavierversion: Bedřich Smetana]
Version für vier Klaviere
Anmerkung:
Nevydáno.
[Wurde nicht herausgegeben]
[Wurde nicht herausgegeben]
Richard III.: Klavierversion zu vier Händen
Anmerkung zu Datum und Ort der Entstehung:
Existuje více verzí pro klavír na 4 ruce.
[Es gibt mehrere Versionen für vier-Hände-Klavier.]
[Es gibt mehrere Versionen für vier-Hände-Klavier.]
Klavierversion zu vier Händen, 1. Ausgabe
Editionstyp:
Klavierauszug
Verleger:
Autor der Bearbeitung:
Erscheinungsort:
Prag
Werktitel:
Richard III.
Jahr:
1891
Klavierversion zu vier Händen
Editionstyp:
Klavierauszug
Verleger:
Erscheinungsort:
Berlin
Werktitel:
Richard III. Symphonische Dichtung
Name der Edition:
Symphonische Dichtungen von Friedrich Smetana. Clavierauszug zu vier Händen. No. 2
Editionsnummer:
10594
Jahr:
1896
Anmerkung:
Ve stejném roce vyšla u N. Simrocka i partitura a orchestrální party.
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig
[In dem selben Jahr erschien bei N. Simrock auch die Partitur und orchestrale Parte.
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig ]
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig
[In dem selben Jahr erschien bei N. Simrock auch die Partitur und orchestrale Parte.
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig ]