Wallensteins Lager
Dílo Bedřicha Smetany
Genese
Das zweite symphonische Gedicht des schwedischen Zeitabschnitts, Wallensteins Lager, entstand unmittelbar nach dem Richard III., in der zweiten Hälfte des Jahres 1858. Vollendet wurde es in Göteborg am 4. Januar 1859. Nach der düsteren Shakespears Tragödie stellte dieses neue Thema für Smetana eine willkommene Abwechslung. Davon zeugt die Hast, mit der er sofort nach der Vollendung Richards an die neue Aufgabe heranging. Unmittelbar am 9. August 1858, drei Wochen nach der Vollendung von Richard, notierte er sich in das Motivnotizbuch eine treibende Idee, die dann zum Grund des Einführungsteiles des Werkes wurde. Ein weiterer willkommener Anlass war auch die Bitte von Jiří Kolár, einem bedeutenden tschechischen Schauspieler, Theaterorganisator und Onkel der Smetanas Frau Kateřina, dass Smetana die Musik zur Schillers Wallensteins Trilogie komponiert . Nach ursprünglicher Absicht sollte das der ersteTeil eines zweiteiligen Zyklus sein. Den zweiten Teil, Wallensteins Tod, schrieb Smetana jedoch nicht mehr. Das Programm der Komposition erwähnt Smetana im Brief an Josef Proksch am 9. September 1858: "Au3er ein paar Klaviersachen arbeite ich jetzt an Musik zu Schillers ´Wallensteins Lager´, dem später ´Wallensteins Tod´folgen soll. Buntes Gewimmel im Lager, wie es Schiller schildert, ist wirklich eine dankbare Aufgabe für eine Musikbearbeitung. Ich hoffe es im Laufe dieses Jahres zu vollenden." Ähnlich wie im Richard III. inspiriert sich das Programm des Werkes und sein Musikplan mit Schillers Drama nur sehr locker. Die Musik entwickelt sich hier nach rein musikalischen Gesetzmä3igkeiten, während Smetana nach dem Tschechischen in seiner Musikinspiration strebt. Im Brief an Ludevít Procházka vom 26. September 1877 schreibt er: "Ich mache darauf aufmerksam, dass, was den Stil angeht, ich bemüht war, schon dem symphonischen Gedicht Wallensteins Lager, das in Schweden im Jahre 1858 komponiert wurde, einen nationalen Charakter zu geben, und zwar ziemlich erfolgreich." Der tschechische Charakter des Werkes konnte sich dem Smetana schon aus der Tatsache ergeben, dass die Handlung des Spieles sich in der Umgebung von Pilsen abspielt, die Smetana aus seinen Pilsner Jahren so gut kannte. Sie hing jedoch mit organischer Entwicklung seiner Musiksprache zusammen, vor allem mit dem Klavierschaffen dieser Periode. Neben der Polkas Op. 7 und 8 war es vor allem der Zyklus Erinnerung an Böhmen in Polka-Form, wo Smetana zum ersten Mal konsequent bemüht ist, den tschechischen Charakter der Musikäu3erung zu fassen. Die Korrespondenz mit Franz Liszt, vor allem der Brief vom 24. Oktober 1858, zeugt davon, wie gro3e Hoffnungen auf erste Aufführung von seinen symphonischen Gedichten Smetana gerade mit dem Namen dessen verband, der ihn inspirierte. Smetana spielte dem Liszt beide Gedichte ab, sogar zweimal, während seines zweiten Besuches in Weimar (5. - 13. Juni 1859). Am 11. Juni notierte er sich in den Tagebuch: "Wir waren alleine, und er hörte Skizzen, Polka usw.an, und endlich auch wieder den Richard und das Wallensteins Lager. Alle seine Bemerkungen dazu will ich erwägen. Er küsste mich und armte mich um und versprach, meine Sachen zu interpretieren. " Liszt führte die schwedischen symphonischen Gedichte zwar nie auf, in ihre Schicksale griff er jedoch ein. Er bewegte Smetana dazu, die Revisionen sowohl von Wallensteins Lager als auch von Richard III. zu machen. Die Revision von Wallensteins Lager führte Smetana am 2. September 1859 in Prag durch, wie sich aus dem Tagebuch ergibt ("ich arbeitete an Verkürzung von Wallensteins Lager"). Wenn wir die Schulaufführung von Richard III. bei einer öffentlichen Probe der Schüler am 24. April 1860 in Göteborg übergehen, in einer Verarbeitung für 4 Klaviere zu 16 Händen, kam es zur ersten orchestralen Aufführung beider symphonischen Gedichte erst nach Smetanas Rückkehr nach Prag, im ersten selbstständigen Konzert im Saal auf Žofín am 5. Januar 1862.Charakteristik des Werkes
Die Vorstellung eines Lagers in der Umgebung von Pilsen, im Kreis Smetanas Studienjahren, rief in ihm einen neuen Typ von Musikinvention hervor, die die Richtung Smetanas Musiksprache aus der Zeit antizipierte, wo er sich völlig der Aufgabe widmen wird, die wir politisch nennen können und der er seine besten Jahre widmen wird: das Schaffen der tschechischen nationalen Musik. Aufgeregter Einleitungswirbel, wenn wir das Lager betreten, sein lebendiges Getriebe, Grölen der aufgeheiterten Soldatengesindes, ja, auch das Tadeln des verspotteten Kapuziners, später dann der Reigentanz mit Dudelsackbass und mit Polka, Pizzicato der Nachtwache und letzten Endes auch der energich gesteigerte Schlussmarsch - das alles klingt unvertauschbar nach einer tschechischen Note. Strukturell sind die vier Teile sichtlich, in die das Werk innerlich gegliedert ist. Der erste Teil schildert das Soldatenleben im Lager, der zweite simuliert einen Tanzsatz, der dritte ist ein nächtliches Intermezzo und der vierte Teil, mit Sonnenaufgang und einer Fanfare eingeleitet, gipfelt in einem temperamentvollen Marsch.Grundinformation
Titel:
Wallensteins Lager
Auf dem Autograph steht: B. Smetana Valdštýnův tábor Partitura.
[B. Smetana Wallensteins Lager Partitur]
[B. Smetana Wallensteins Lager Partitur]
Untertitel:
Symphonisches Gedicht für Orchester
Titel im Autograph:
Wallensteins Lager
Untertitel im Autograph:
(Fr. Schiller's.) Orchester - Stück von Friedrich Smetana. op. 14.
Klassifikation nach dem Katalog von J. Berkovec:
1.72
Titel nach dem Katalog von J. Berkovec:
Wallensteins Lager
Teile/Themen:
Allegro vivace
Opusnummer:
Op. 14
Anmerkung:
Bartoš: Valdštějnův tábor/Wallensteins Lager
SSD 1875: "Wallensteins Lager. Sinf. Báseň. 1858 též provozovaná ponejprv v mým koncertě roku 1862 dne 5. ledna, co poslední číslo. Je v D dur."
["Wallensteins Lager. Symphonisches Gedicht. 1858 auch zum ersten Mal während meines Konzerts im Jahre 1862 am 5. Januar, als letztes Stück aufgeführt. Es ist in D-Dur."]
SSD 1875: "Wallensteins Lager. Sinf. Báseň. 1858 též provozovaná ponejprv v mým koncertě roku 1862 dne 5. ledna, co poslední číslo. Je v D dur."
["Wallensteins Lager. Symphonisches Gedicht. 1858 auch zum ersten Mal während meines Konzerts im Jahre 1862 am 5. Januar, als letztes Stück aufgeführt. Es ist in D-Dur."]
Besetzung
Instrumentalbesetzung:
2+pic.,2,2,2 - 4,4,3,1 - timp.,trg, tml, grt, pti - archi
Weitere Informationen
Wallensteins Lager: Orchesterversion
Entstehungsort:
Göteborg
Beginn der Komposition:
07/1858
Fertigstellung der Komposition:
01/1859
Premierendatum:
05. 01. 1862
Premierenort:
Prag, Žofín
Dirigent/Chorleiter:
Ensemble:
Orchester des Königlichen deutschen Landestheaters
1. Ausgabe der Noten
Editionstyp:
Partitur
Verleger:
Autor der Bearbeitung:
Erscheinungsort:
Berlin
Werktitel:
Wallenstein's Lager. Valdštýnův tábor. Symphonische Dichtung für grosses Orchester von Friedrich Smetana
Editionsnummer:
10567
Jahr:
1896
Anmerkung:
Partitura, orchestrální party
[Partitur, Orchesterparte]
[Partitur, Orchesterparte]
Kritische Edition
Editionstyp:
Partitur
Verleger:
Erscheinungsort:
Prag
Werktitel:
VALDŠTÝNŮV TÁBOR [Wallensteins Lager]
Teil eines Ganzen:
Studijní vydání děl Bedřicha Smetany, sv. 4 (ve svazku i symfonické básně Richard III. a Hakon Jarl). [Studienausgabe der Werke]
Name der Edition:
SVDBS IV [Studienausgabe der Werke von Bedřich Smetana IV]
Jahr:
1942
Anmerkung:
S. 71-161, v KE přidané přílohy na s. 243-249.
[S. 71-161, in der kritischen Edition zugefügte Beilagen auf den Seiten 243-249.]
[S. 71-161, in der kritischen Edition zugefügte Beilagen auf den Seiten 243-249.]
Wallensteins Lager: Revision
Entstehungsort:
Prag
Fertigstellung der Komposition:
02. 09. 1859
Anmerkung zu Datum und Ort der Entstehung:
DBS 1859
Wallensteins Lager. Klavierbearbeitung zu 4 Händen
Fertigstellung der Komposition:
1896
Anmerkung zu Datum und Ort der Entstehung:
Upravil J. Klička
[Bearbeitet von J. Klička]
[Bearbeitet von J. Klička]
Klavierbearbeitung zu 4 Händen
Editionstyp:
Klavierauszug
Verleger:
Autor der Bearbeitung:
Werktitel:
Wallenstein's Lager. Symphonische Dichtung
Name der Edition:
Symphonische Dichtungen von Friedrich Smetana. Clavierauszug zu vier Händen. No. 1
Editionsnummer:
10565
Jahr:
1896
Anmerkung:
Ve stejném roce vyšla u N. Simrocka i partitura a orchestrální party.
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig
[In dem selben Jahr erschien bei N. Simrock auch die Partitur und Orchesterparte.
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig]
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig
[In dem selben Jahr erschien bei N. Simrock auch die Partitur und Orchesterparte.
Lith. Anst. v. C. G. Röden Leipzig]